1976 war ein cooles Jahr mit einem geilen Sommer. Ich schaute in einen riesigen Spot, es war total grell und die Leute drumrum waren voll am ausflippen. Meine Geburt war besser als Woodstock - weil kein Schlamm aufm Boden...
Kindheit normal, Scheibe in der Schule zerdonnert (Klassiker!) und viel Blödsinn gemacht. Aber das schlimmste fing mit 15 an: Die Trommelei.
Das erste Schlagzeug war ein total kaputtes Yamaha-Drumset in der damals schon top-inaktuellen Farbe DEUTSCHE POST - YELLOW mit kaputten Becken - aber das Ding sorgte dafür, den Trommel-Virus endgültig in den Genen zu verankern. Es folgten hoffnungsvolle Schülerbands wie DIE EINTOPF und mehrere Garagencombos, die sich auch mal in psychedelischen Gefilden bewegten. Mein Abitur hab ich mir mit nem Shirt von den Stones am Leib abgeholt und als langhaariger tat ich was ziviles für unsere bierbrauende Republik.
Aber Hauptaugenmerk lag immer auf der Trommelei, sogar jazziges wurde in Angriff genommen mit Bands wie JAZZ MOZAIQUE, die lokale Erfolge in Berlin verbuchen konnten. Die Band INFIT brachte lehrreiche Jahre mit Berliner Jazz-Größen und viele Club-Gigs in Jazz-Kellern.
Ich hatte mal nen Proberaum voll mit Trommelkram: drei Drumsets spielbereit , 7 Sets gestapelt und 30 Snares griffbereit - zu Hause dann immer ein zerlegtes Set in der Küche, falls man mal 14 Gigs an einem Tag spielen soll... Ich war damals halt ein echter Equipment-Junkie. Auch tonnenweise vintage-Stuff. Die Liebe zu historischen Drums begann mich in den 90igern zu fesseln, ich sammelte und restaurierte alte Drums von SLINGERLAND aus den 20er/30er/40er Jahren.
Trommeln sind ja extrem faszinierend und Sets von-der-Stange einfach zu langweilig - daher baue und bastele ich bis heute unter dem Label KAMINETT Custom-Drums auf spezielle Anfrage nach exklusiven Kundenwünschen.
Nach dem Jazz sollte es rockig werden mit SUGARSCAPE einer Brit-Rock-Band, die Berlin eroberte. Zwischendurch schwang ich die Stöcke für Berlins Brit-Pop-Hoffnung JACKETHIVE, an die sich manche Girls noch sehr gerne erinnern... Schlagwerk damals in komplett schwarz aus Carbon von ROCKET SHELLS, das war der B52 Bomber unter den Drums, aber leider bauen die keine grossen Bassdrums...
Später habe ich dann auch den letzten Schliff von einem Trommel-Guru aus NYC bekommen, aber ich muss sagen, dass man mehr über die Trommelei lernt, wenn man sich mal 2 Stunden Phil Rudd von AC/DC anschaut... der Mann swingt wie kein anderer!
Man muss als Trommler auch nicht immer laut sein, denn mit so manchem Playback-Job füllte ich mir auch die Woche, unter anderem haben mich mal Belgier unter die Decke im Tempodrom gehängt in einem barocken Kostüm mit graugespritzen Haaren und mit umgeschnallter Trommel... meine Eier spüren heute noch den Schmerz vom Trage-Geschirr...
Da ich früher ne geile knackige Sau war (und noch immer bin) durfte ich sogar mal für FINE EVENT modeln, Star-Fotografin Anke Illing buchte mich für eine Drummer-Ausstellung und ich hab neben Videodrehs auch noch lustige Film-Rollen bekommen: Ich war der Drummer in einem Helmut Dietl-Film mit Moritz Bleibtreu. Durfte mir vom Schlagzeug aus den Arsch von Alexandra-Maria-Lara in einem quietsch-engen lila Lackkostüm angucken und wurde dafür sogar noch bezahlt. Leider wurde diese Szene im Film rausgeschnitten, ich hab wohl zu geil gegrinst...
was will man mehr...
... ganz einfach: noch mehr Rock. Nach Gigs mit den Stoner-Rockern von LES DUDS (später: SKY VALLEY) entschied ich mich bei den Classic Rockern DIRTY DUDES zu trommeln. Das war nicht deftig genug, also wurden UNKAST gegründet... damit's mal was auf die Ohren gibt!
Equipment:
Aktuell drücke ich meine Stöcke auf die Felle eines selbstgebauten Stahl-Sets in den Größen: 28x16 Bassdrum, 14x10, 16x16, 18x16 Toms mit einer tonnenschweren gefrästen Stahlsnare. Zum Jazzen steht @home ein Jazz-set parat...
Grad bau ich an einer 36" Bassdrum für die Rock-Bude - wird dann wohl die dickste Buffe in berlin und Umgebung. Sollte also mal in der Eiffel wieder Erdbeben sein, oder irgendwo Häuser einstürzen sitz ich halt mal wieder am Schlagzeug...