"unser ziel ist die förderung talentierter musiker"

Interview mit Thomas Barth, künstlerischer Leiter des Robert Johnson Guitar Award

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel | 11.08.2012, 10:22

Interview mit Thomas Barth, künstlerischer Leiter des Robert Johnson Guitar Award

Backstage PRO vergibt eine exklusive Wildcard zur Teilnahme am Robert Johnson Guitar Award. Über Idee, Konzept und Ziel des Awards und vieles mehr sprachen wir mit dem künstlerischen Leiter, dem Musiker, Produzenten und Tontechniker Thomas Barth.

Du bist ein herausragender Gitarrist und heiß auf eine Reise nach Hamburg, um an einem Workshop mit Starmusikern teilzunehmen? Dann haben wir das Richtige für dich, denn BackstagePRO vergibt eine Wildcard für die Teilnahme am Robert Johnson Guitar Award 2012. Weitere Informationen findest du hier.

Backstage PRO: Thomas, du bist in der DDR aufgewachsen. Wie hat dich das musikalisch geprägt?

Thomas Barth: Meine Eltern waren selbst Musiker und traten als Mitglieder von Singeclubs sogar bei den Weltfestspielen auf. Musik war bei uns immer irgendwie präsent.

Was für eine Art von Musik haben sie gespielt?

Folkloristische Musik, die aus Chor mit Begleitband bestand. Es wurden sowohl selbstgeschriebene Lieder als auch Coverversionen gespielt. Das war keine Popmusik im westlichen Sinn, sondern eben die Singeclubbewegung.

Was geschah dann als die DDR zusammenbrach?

Mit der Wende hat mein Onkel das "Musikhaus Barth" in meiner Heimatstadt Görlitz eröffnet, das schnell zum Familienbetrieb wurde. Da wurden dann eine Menge Bereiche der Musikbranche abgedeckt, von Beschallungsunternehmen über Musikhaus mit Musikinstrumentenverkauf und großer Hifi-Abteilung bis zu Musikschule und Tonstudio. Später habe ich auch selbst einige Jahre mitgewirkt und u.a. die Welt der Musikproduktion, damals noch analog mit Bandmaschine etc., für mich entdeckt.

Das hat dir natürlich viele Möglichkeiten eröffnet.

Genau. Ich konnte ganz viele Instrumente ausprobieren. Als Kind habe ich mir immer eine Gitarre gewünscht, was aber irgendwie unterging. Und so erhielt ich zunächst Klavierunterricht und spielte schnell alles, was Tasten hat. Später habe ich das dann auch auf Gitarre, Bass und Schlagzeug erweitert.

Die Sieger feiern beim Robert Johnson Guitar Award 2011.

Du bist sozusagen deine eigene Rockband und könntest im Alleingang ein ganzes Album einspielen?

Mit der ersten toma-Platte habe ich das z.B. genau so gemacht. Da ich immer Songs geschrieben habe, war es für mich elementar, die verschiedenen Instrumente auch zu beherrschen. Ich wollte wissen, was man damit alles machen kann und ob meine Kompositionen überhaupt so umgesetzt werden können, wie ich mir das vorgestellt habe. Im Mittelpunkt stand immer das Songwriting und die Instrumente wurden meine Werkzeuge.

Wie wirkt sich die Fähigkeit, verschiedene Instrumente zu spielen, auf deine heutige Arbeit aus?

Es ist natürlich sehr nützlich. Auf vielen Produktionen, die ich verantworte, bin ich selbst auch als Musiker präsent und spiele das, was gerade gebraucht wird. Aber auch als Tontechniker im Liveeinsatz ist es für mich wichtig zu wissen, wie sich das auf der Bühne anfühlt und ich kann so einfach intuitiver arbeiten.

Was machst du denn im Augenblick?

Ich betreibe seit 2004 mein Tonstudio in Hamburg, das Studio Mondbasis. Dazu ist vor ein paar Jahren dann MSL – Mondbasis Sound+Light gekommen, ein Unternehmen für Veranstaltungstechnik und Ende 2009 dann schließlich Sunbase Records, mein Label, das ich mit meiner Freundin betreibe und wo ich das Geld wieder ausgebe, das ich mit den anderen Sachen verdiene. (lacht)

Das Label ist also ein Liebhaber-Projekt, aber du finanzierst dich mit den Produktionen, Aufnahmesessions und mit der Veranstaltungstechnik?

Ungefähr. Es ist eigentlich nicht möglich die Produktions- und Marketingkosten einer Platte mit relativ unbekannten Acts wieder einzuspielen. Da ich jedoch die Musik selbst produziere und wir eigentlich eher eine Art große Familie sind, relativiert sich das auch wieder ein wenig. Unsere Künstler bezahlen beispielsweise keine Produktionskosten. Ich bin kein Freund davon, einen Labelvertrag anzubieten, nur um die Leute in mein Studio zu locken und damit Geld zu verdienen. Ich arbeite gerne mit frischen und innovativen Musikern zusammen und mich verbindet mit allen auch ein freundschaftliches Verhältnis. Das macht großen Spaß.

Du bist auch künstlerischer Direktor beim Robert Johnson Guitar Award. Was sind deine Aufgaben?

Ich bin vornehmlich für die Inhalte zuständig: Es geht darum, die Bewerber auszuwählen, die Jury anzuleiten, alles zusammenzuhalten und am Ende auch dafür zu sorgen, dass eine Entscheidung getroffen wird. Meine Aufgabe ist es sowohl die Grundausrichtung des Awards im Auge zu behalten, als auch die Form der Präsentation und vielleicht besondere Aktionen zu entwickeln und umzusetzen. Ein weiterer Aspekt ist natürlich auch die Planung und Gestaltung der Finalshow, bei der die Finalisten die Competition live ausspielen, aber natürlich auch das Publikum unterhalten werden soll. Hier werden dieses Jahr z.B. auch ehemalige Award-Gewinner mit ihren eigenen Bands dabei sein. Als ich Ende 2010 in den Verein kam, habe ich als erstes die Umgestaltung des Finalevents in Angriff genommen.

Wie lief das vorher ab?

Es war so, dass anhand der Videos die besten Gitarristen ausgewählt wurden. Die trafen dann im Workshop aufeinander und danach wählte die Jury die Gewinner. Da es am Ende ja auch ein wenig darum geht, wie man sich auf der Bühne präsentiert, macht ein Live-Event mit den fünf Finalisten auf jeden Fall Sinn.

Und im Anschluss entscheidet eine Jury?

Genau. Zunächst werden die eingereichten Videos ausgewertet und 19 Teilnehmer ausgesucht, die dann zum Workshop eingeladen werden. Außerdem vergibt Backstage PRO eine Wildcard. Vom 28. bis 30. September findet der Workshop dann mit Dozenten wie Uli Jon Roth, Peter Wölpl oder Mickey Meinert statt. Im Anschluss wählen wir die fünf Finalisten aus, die im Rahmen der Show auftreten werden. Insgesamt ist der Award das Ergebnis einer Teamarbeit, es gibt ein Projektmanagement, einen Grafiker und Webdesigner, den Initiator natürlich und mich als musikalischen Leiter, die das Projekt stemmen.

Der leidenschaftliche Blues-Fan Jürgen Draabe ist Initiator und Geldgeber des Robert Johnson Guitar Award.

Die Idee des Robert Johnson Guitar Award ist interessant, was steckt dahinter?

Die Grundidee dazu stammt von Jürgen Draabe, einem Schifffahrtskaufmann aus Hamburg, in Zusammenarbeit mit dem befreundeten Musiker Guido Bungenstock. Jürgen Draabe ist ein begeisterter Gitarrenfan mit dem Anliegen, junge talentierte Nachwuchsgitarristen zu fördern. Er selbst ist ein großer Fan von Blues und Bluesgitarristen, daher war auch der legendäre Blues-Gitarrist und Sänger Robert Johnson als Namensgeber naheliegend.

Es ist also ein Award, der sich an junge Musiker richtet, nicht solche, die schon seit 30 Jahren im Geschäft sind.

Genau, der Award richtet sich an Nachwuchskünstler. Es ist aber nicht so, dass wir ein paar Preise vergeben und das war es dann, sondern wir versuchen nachhaltig zu arbeiten. Zu Beginn dieses Jahres z.B. sind zwei Finalisten des letzten Awards gemeinsam mit Uli Jon Roth auf US-Tournee gegangen, der Gewinner 2010, Benny Baumann, durfte als Special Guest bei einem ausverkauften Errorhead-Konzert an Marcus Demls Seite spielen und Michael Wagners Band Lem Motlow, die Gewinner des Jahres 2011, schicken wir im Herbst auf Kurztour durch den Norden der Republik.

Mit anderen Worten ihr wollt den Bands nicht nur Geld oder eine Gitarre in die Hand drücken und sagen: "Habt ihr toll gemacht, viel Spaß damit", sondern ihr wollt mit den Leuten auch langfristig arbeiten.

Es gibt genügend Preise, bei denen es wirklich nur um das Preisgeld geht, aber wir bemühen uns um die Förderung dieser wirklich talentierten Musiker. Wir bewegen uns schon sehr lange im Musikgeschäft, kennen viele Leute und sind in der Lage, Möglichkeiten zu eröffnen. Als junger Musiker verfügt man ja gar nicht über die entsprechenden Kontakte. Es geht darum, dass junge, besonders talentierte Gitarristen in dem Geschäft Fuß fassen und davon leben können.

Wie läuft der Workshop konkret ab und was bietet er?

Die Workshops finden an drei Tagen mit verschiedenen Dozenten statt. Uli Jon Roth beispielsweise spielt viel mit den Gitarristen, schaut sich die Musiker an und gibt Tipps. Die Teilnehmer erhalten Gelegenheit, Dinge auszuprobieren, neue Wege zu gehen, voneinander und natürlich auch von gestandenen Gitarristen zu lernen. Dieses Jahr haben wir noch Peter Wölpl dabei, der u.a. an der Popakademie in Mannheim unterrichtet. Er spielt mit sehr vielen verschiedenen Musikern und ist eher ein Fusion-Gitarrist, der viele schräge, moderne Klänge in den Workshop mit einbringen wird. Schließlich ist noch Mickey Meinert dabei, der Gitarrist von Otto, dem Schirmherrn der gesamten Veranstaltung. Bei ihm geht es um die Akustikgitarre, um ursprünglichen Blues und die Wurzeln dieses Genres. Alle Dozenten sind auch wirklich gute Typen, von denen man auch menschlich viel lernen kann und mit denen das Lernen unheimlich viel Spaß macht.

Wie kam es denn dazu, dass Otto Waalkes Schirmherr wurde?

Als wir an Otto herangetreten sind, war er von der Idee des Awards sofort begeistert. Er ist auch bei den Finals immer dabei und hat bislang auch stets zusammen mit Mickey Meinert selbst gespielt – aber das ist bis kurz vorher nie klar. Viele wissen nicht, dass Otto ein wirklich guter Gitarrist und Bluesfan ist und schon deshalb wunderbar zum Award passt.

Vielen Dank für das Gespräch!

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