"ich mag es, wenn kraft im bild liegt"

Interview: Marco Hammer über Musikfotografie und sein Projekt "Drumming For Passion"

Artikel veröffentlicht von Daniel Nagel | 04.07.2012, 10:38

Interview: Marco Hammer über Musikfotografie und sein Projekt "Drumming For Passion"

Musikfotografie findet in zahlreichen Schattierungen statt: Klassische Bandfotos, Musiker-Portraits, Konzertbilder, Bildmaterial zur Covergestaltung…. Oft handelt es sich um Einzelarbeiten, die erst durch spätere Sortierung und Aufbereitung zu einem Projekt werden, das einem größeren künstlerischen Anspruch gerecht wird. Marco Hammer setzte seinen Schwerpunkt hingegen sehr früh, verfolgt sein Projekt "Drumming for Passion" mit Hingabe und hoher Professionalität – so gelingt es ihm, sich an der Spitze zeitgenössischer Musikfotografen zu etablieren.

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Backstage PRO: Wie bist du eigentlich zur Musikfotografie gekommen?

Marco Hammer: Freunde von mir spielten in einer Band und luden mich dazu ein, auf einem ihrer Konzerte zu fotografieren. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht, weil es mir ermöglichte, meine Leidenschaften für Musik und Fotografie miteinander zu verbinden. Inzwischen ist die Konzertfotografie ein Nebenjob, in den ich wöchentlich sicherlich 30 bis 40 Stunden investiere.

Was hast du beim Fotografieren im Rahmen von Konzerten bezüglich der Situation der Schlagzeuger festgestellt?

Nachdem ich seit 2009 mehrere hundert Bands in allen möglichen Kontexten – auf Festivals, in kleinen Clubs und in großen Hallen – fotografiert habe, ist mir aufgefallen, dass Schlagzeuger benachteiligt sind, sowohl was ihre Position auf der Bühne als auch was die Lichtverhältnisse angeht.

Was ist der Grund für diese Benachteiligung?

Marco Hammer: Leidenschaft für Schlagzeuger

Die meisten Magazine wollen Bilder des Frontmanns oder Aufnahmen von irgendwelchen tollen Gitarrensoli. Die meisten Beobachter achten darauf, was sich vorne abspielt. Deshalb ist der hintere Teil der Bühne meist schlechter beleuchtet. Häufig werden die Nebelmaschinen am Schlagzeug vorbei oder gar durch das Schlagzeug durchgeleitet. Meistens steht man als Fotograf vor einer hohen Bühne, wodurch man den Schlagzeuger in einem ungünstigen Winkel fotografieren muss oder ihn sogar nur schlecht sehen kann, weil er durch sein Schlagzeug und die anderen Musiker verdeckt wird. In der üblichen Konzertfotografie, die Fotos während der ersten drei Songs erlaubt, ist es daher kaum möglich, ein vernünftiges Bild des Schlagzeugers zu machen. Das hat mich gestört, weil ich Schlagzeuger mag! Ich habe es schon immer wahnsinnig genossen, wenn eine Band in ihrer Show ein Schlagzeugsolo eingebaut hatte.

Nehmen die Schlagzeuger das Problem eigentlich wahr oder interessiert es sie vielleicht gar nicht?

Das ist unterschiedlich. Wenn die Bands Bildmaterial von Fotografen zur Verfügung gestellt bekommen, ist darunter häufig nur ein Bild des Schlagzeugers und die restlichen zwanzig zeigen die Band. Viele Bilder, die Schlagzeuger von sich besitzen, sind auch nicht wirklich gut. Oft sind sie zu dunkel oder verschwommen.

Das ist ja noch ein weiteres Problem: Drummer bewegen sich viel, weshalb es schwieriger ist, sie im richtigen Moment abzulichten, so dass man sie überhaupt erkennen kann.

Ja, richtig. Häufig besteht die einzige Möglichkeit dieses Problem zu lösen darin, dem Fotografen mehr Zeit zu gewähren, so dass er die günstigen Augenblicke abpassen kann und den Moment erwischt, in dem das Licht günstig ist. Selbst wenn es dunkel und vernebelt ist, es gibt den richtigen Moment. Und selbst wenn er beim zehnten Lied nur zehn Sekunden lang dauert – dann muss man zur Stelle sein. Da man aber das Licht nicht selbst kontrolliert ist auch immer etwas Glück dabei. Man benötigt auch die Erfahrung, um beispielsweise den Lichteinsatz vorherzusehen.

Du hast dich dazu entschlossen, mit deinem Projekt "Drumming For Passion" etwas dagegen zu unternehmen, dass Schlagzeuger so sehr im Schatten stehen. Vielleicht könnest du etwas dazu sagen, wie das abläuft.

Die Aufnahmen mit Chris Adler zählen für Marco Hammer zu den bisherigen Highlights seines Projekts "Drumming For Passion".
Copyright: Marco Hammer

Das Projekt fing als reines Herzblut-Projekt an. Schlagzeuger haben mir die Möglichkeit gegeben, sie während eines Konzerts zu fotografieren. Im Vorfeld oder nach dem Gig haben wir dann zusätzlich ein Portrait-Shooting im Studio gemacht. Das Ziel bestand darin, eine Bildserie zu erstellen, um die besonderen Momente beim Schlagzeugspiel einzufangen. Obwohl es unzählige Konzertbilder gibt, findet man relativ selten technisch gute und ausdrucksstarke Bilderserien, die sich nur dem Schlagzeugspiel widmen.

Wie hast du denn die Schlagzeuger ausgewählt?

Die ersten Portraits entstanden durch persönliche Beziehungen. Ich habe zunächst mit Drummern kleinerer oder mittelgroßer Bands gearbeitet. Dabei sind tolle Bilder entstanden, die mir den Weg dafür geebnet haben, auch mit bekannteren Schlagzeugern zu arbeiten. Für das Projekt ist es natürlich gut, wenn ich mit sehr bekannten Schlagzeugern arbeiten kann, die vor tausenden Zuschauern spielen. Aber für mich persönlich ist die Leidenschaft beim Schlagzeugspiel entscheidend, um am Projekt "Drumming For Passion" teilzunehmen.

Was waren denn die Highlights bislang für dich?

Marco Hammer durfte Jost Nickel exklusiv während eines Konzerts in Stuttgart fotografieren.
Copyright: Marco Hammer

Chris Adler von Lamb Of God war sicher nicht nur für mich ein Highlight, sondern für ganz viele Schlagzeugfans, da er ein Autodidakt ist und es voll drauf hat. Dann Specki von In Extremo, ein Super-Kerl. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht mit ihm zu arbeiten und es kamen tolle Bilder heraus, die aber noch nicht veröffentlicht sind. Jost Nickel aus Jan Delays Band konnte ich als einziger Fotograf während eines Auftritts vor tausenden Zuschauern auf dem Stuttgarter Schlossplatz ein ganzes Konzert lang begleiten.

Und die entstandenen Portraits veröffentlichst du auf deiner Website?

Genau, die heißt drumming-for-passion.de. Seit Anfang des Jahres haben wir die Seite neu gestaltet und dafür viel positives Feedback erhalten. Wir haben das Projekt auch um die Special Series erweitert, die zusätzliche Galerien von Konzertaufnahmen enthält, die besonders gut gelungen sind. Ich habe das Projekt auch Firmen vorgestellt, die sehr positiv reagiert haben und mir ermöglichen, noch bekanntere Schlagzeuger zu fotografieren. Inzwischen erhalte ich auch Aufträge dafür, ganz bestimmte Drummer abzulichten.

Auf der Seite sieht man gut die Dynamik und die Kraft eines Schlagzeugspielers. Das ist das Ziel, oder?

Ich zeige nur, was wirklich da ist. Aber natürlich wähle ich die Bilder aus, die veröffentlicht werden. Ich persönlich mag, wenn Kraft im Bild liegt, wenn der Schlagzeuger sein Gesicht verzieht. Es gibt aber auch Schlagzeuger, die sagen: "Ein guter Drummer verzieht keine Miene, denn er hat gelernt, technisch so perfekt zu spielen, dass er fast keine Kraft braucht."

Die ruhigeren Schlagzeuger interessieren dich also weniger?

Der bekannte Rock- und Jazzdrummer Will Calhoun arbeitete ebenfalls mit Marco Hammer zusammen.
Copyright: Marco Hammer

Nein! Was ich nicht mag ist, wenn sich ein Schlagzeuger absichtlich für meine Bilder in Posen wirft. Ich will Momente zeigen, in denen er nicht weiß, dass er fotografiert wird oder in denen er mich nicht beachtet. Der Schlagzeuger soll natürlich spielen, wie er eben spielt. Wenn er keine Miene verzieht, dann ist mir das auch recht.

Wie ist denn die Resonanz auf dein Projekt bei den Schlagzeugern?

Die Schlagzeuger finden "Drumming For Passion" toll, freuen sich teilweise wahnsinnig. Ich erhalte inzwischen auch Anfragen von sehr bekannten Drummern. Bisher haben nur wenige meine Anfragen abgelehnt. Die meisten reagieren positiv und verwenden die Bilder auch für ihre eigenen Seiten oder benutzen sie in anderen Zusammenhängen. Ich finde das auch toll. Das ist mir viel lieber, als würden die Bilder in irgendeinem Archiv versauern.

Vielen Dank für das Gespräch!

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