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Gute Moderation: Wie deine Bühnenansagen gelingen

Artikel veröffentlicht von Backstage PRO Team | 22.06.2012, 12:28

Gute Moderation: Wie deine Bühnenansagen gelingen

artistguide.de: Selbsthilfe für Musiker,

Bühnenansagen sind wichtig, weil ihr das Publikum damit durch euer Konzert leitet. Sie sind verbindendes Element zwischen den Songs, Orientierungshilfe für die Gäste und stellen dadurch auf emotionaler Ebene eine Beziehung zu euren Zuhörern her. Die Schauspielerin und Kommunikationstrainerin Jenny Ulbricht gibt Tipps: So kommst du gut rüber!

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Autorin: Jenny Ulbricht

So kommst du gut rüber!

Moderationen und Bühnenansagen reißen dann eure Fans mit, wenn ihr sie nicht nur als ungeliebte Lückenfüller seht. Ihr habt es in der Hand, sie zum Identifikationsmedium für euer Publikum zu machen. Relativ einfach gelingt euch das, wenn ihr ein paar Grundregeln beherzigt:

1. Präsenz zeigen

In den Moderationen tragt ihr die Atmosphäre eures Konzerts weiter. Deswegen ist es wichtig, dass Frontfrau oder Frontmann körperliche, mentale und emotionale Präsenz ausstrahlt. Es ist ihre/seine Aufgabe, das Publikum zu erreichen; sie/er hat eine Art Führungsposition. Die Zuschauer erwarten auch, dass Frontfrau oder Frontmann diese Rolle übernimmt.

2. Die Stimmung fühlen

Eine Moderation ist nur scheinbar ein Monolog: Macht euch bewusst, dass da Kommunikation und somit ein Geben und Nehmen mit euren Fans stattfindet, dass ihr also keine Alleinkämpfer seid. Hört zu, wie die Stimmung ist und spürt rein in eure Fans, wie sie drauf sind. Greift auf, was ihr merkt und lasst es in die Art und Weise einfließen, wie ihr sprecht.

3. Sich kurz fassen

Eine Ansage muss nicht lang sein, im Gegenteil: Weniger ist mehr. Deshalb übt, euch kurz zu fassen.

4. So wie dä Schnawwl g'wachse is'!

Verstellt eure Art zu sprechen nicht: Denkt nicht, nur weil ihr jetzt "moderiert" sollte gestochenes Hochdeutsch gesprochen werden. Es geht vielmehr darum, dass ihr die Sprache eures Publikums trefft. Verwendet Worte, die alle nutzen. Ein Dialekt ist kein Problem, wenn ihr in eurer Heimatregion seid – das wirkt übrigens durchaus authentisch, denn das Publikum kann sich mit euch identifizieren. Bedenkt aber, dass die Leute euch andernorts nicht so gut verstehen. Die Zuschauer wollen aber verstehen, was ihr sagt, deshalb sprecht nicht zu schnell und auch deutlich.

5. Die Kunst der Pause

Sprecht so, dass es interessant klingt. Lasst eure Stimme abwechslungsreiche Melodiebögen machen, so als ob ihr gerade einer Freundin oder einem Freund etwas erzählt, das euch sehr wichtig ist. Verstärkt diesen Effekt durch Pausen zwischen den Sätzen – so kann auch jeder im Publikum besser folgen. Pausen werden übrigens von den Zuhörenden deutlich kürzer empfunden, als von demjenigen, der spricht. Natürlich könnt ihr zwischen zwei Songs auch einfach mal nichts sagen!

5. Kontakt halten

Auch wenn ihr euch für schüchtern haltet: bleibt im Kontakt mit dem Publikum, das wirkt locker und sympathisch. Ganz wichtig dafür ist, dass ihr zu den Leuten blickt, dass ihr sie anschaut.

6. Auf die Körpersprache achten

Auch wie ihr steht, geht und was eure Hände und euer Gesicht machen, wird von den Zuschauenden registriert. Die Körpersprache signalisiert anderen Menschen eine Menge über euch.

7. Authentisch sein

Damit ihr zu einer authentischen Ausstrahlung kommt, solltet ihr wissen, welcher Moderationstyp ihr seid: frech, witzig, ernsthaft, provokant… Was liegt dir? Finde es heraus und stehe dazu.

8. Lampenfieber als Anheizer akzeptieren

Lampenfieber vor einem Auftritt ist eigentlich sehr gut, denn es heizt euren Körper zu außergewöhnlichen Leistungen an. Wirklich störend wird das erst, sobald es euch blockiert.

Richtig vorbereiten und üben

Ein Altmeister gelungener Moderation: Grönemeyer sorgt selbst in großen Stadien für eine tolle Atmossphäre und lässt seine Moderation durchaus auch direkt in die Songs einfließen.
Foto: Manuela Hall

Vorbereitung hilft euch dabei, euch auf der Bühne wohl zu fühlen. Macht euch klar, was ihr mit eurer Moderation beim Publikum auslösen wollt. Und dann schreibt zur Übung eine Moderation:

Überlegt euch, worum es in einem bestimmten Song geht und macht ein Brainstorming dazu, was ihr alles sagen könntet. Dann entscheidet euch für einen emotionalen Anknüpfungspunkt, z.B. das Gefühl "Liebe" oder das Gefühl "Wut". Überlegt euch 2 bis 3 Sätze, die ihr dazu sagen wollt. Sie sollten die Geschichte aus dem Song transportieren. Übt, diese Sätze emotional, kurz und auf den Punkt zu sprechen.

Für eure Körpersprache könnt ihr vor dem Spiegel üben, bei welchen Bewegungen ihr euch wohl fühlt. Generell kommt es gut an, wenn ihr locker steht und eure Arme und Hände mitgestikulieren beim Sprechen. Auch euer Gesicht darf miterzählen, worüber ihr gerade sprecht.

Cro steht im Gegensatz noch am Anfang und probiert sich bei seinen ersten größeren Shows noch aus. Beim MSG 2012 waren seine Ansagen nichts weiter als Variationen auf seine Textzeilen "werft den Arm hoch und gebt mir ein Hallo".
Foto: Anna Seidenfuss

Tipp: Kleine Zielschritte angehen – Nehmt euch nach Konzerten Zeit, um festzuhalten, was gut gelaufen ist, womit ihr zufrieden seid. Dann kommt zu den Dingen, die ihr noch verbessern möchtet. Nehmt euch für das nächste Mal eine Sache vor und bleibt an dieser dran, bis ihr zufrieden seid. Seht den Weg zu überzeugenden Bühnenansagen als einen Prozess und erwartet nicht von euch, dass ihr mit einem Mal alles super könnt. Habt Mut zur Lücke und keine Angst vor Fehlern! Es ist erwiesen, dass Zuschauer kleine Fehler sympathisch finden.

Überlegt euch, was eure Stärken sind. Denn wenn ihr eure Stärken kennt und sie einsetzen könnt, dann wirkt dies authentisch. Was könnt ihr gut? Was finden andere gut an euch? Das gibt die Richtung vor, in der man mit dem Ausprobieren anfangen sollte. Mit der Zeit und den erwähnten kleinen Zielschritten entwickelt sich dein eigener Stil. Wenn ihr oft sehr aufgeregt seid, macht euch klar, woher die Nervosität kommt. Knüpft an diesselben Fragestellungen an: Was denkt ihr über euch? Was glaubt ihr, denken die Leute über euch? Wandelt auch negatives Denken in kleine Zielschritte um.

Fazit

Investiert nicht nur Zeit in eure Songs und Proben, sondern auch in das, was ein ganzes Konzert zusammenhält: die Ansagen und Moderationen. Übt bei den Proben auch die Ansagen zwischen den Songs. Das hilft der- bzw. demjenigen, der den Moderationspart hat und gibt auch der gesamten Band ein gutes Gemeinschaftsgefühl.

Wichtig ist, dass ihr beim Konzert keinen Unterschied macht zwischen Musik machen und Moderieren. Lasst die Begeisterung, mit der ihr eure Musik macht, auch in den Ansagen aufblitzen. Seht die Moderation als gesprochenen Ausdruck dessen, was ihr mit eurer Musik sagen wollt. Dann springt auch der Funke über zu den Fans und jenen, die es noch werden sollen.

Über die Autorin Jenny Ulbricht:

Jenny UlbrichtDie Schauspielerin und Kommunikationstrainerin ist zu sehen auf Bühnen in und um Stuttgart, auch mit Lesungen und Chansonprogrammen. Weiterhin gibt sie Trainings im Bereich Medien für den SWR, DASDING, Antenne 1, Radio 7 und andere. Sie arbeitet mit Schauspielern und Moderatoren und gibt Seminare für Atemtechnik, Stimme und Präsentation.

Thomas Wirdschon
Thomas Wirdschon (Sänger, Gitarrist bei speedcake): kurz gesagt: ein "SEID IHR GUT DRAUF" passt immer ;-)
27.06.2012, 20:47 Antwort mit Zitat

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