Erst im Dezember 2011 veröffentlichte die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA einen neuen Tarif für sogenannte Streaming-Dienste. Jetzt scheint der erste Anbieter eine gesalzene Rechnung erhalten und daraus Konsequenzen gezogen zu haben: "Grooveshark" ist seit heute nicht mehr aus Deutschland zu erreichen. Nutzer werden gebeten, zum deutschen Anbieter "simfy" zu wechseln.
Der US-amerikanische Musikstreamingdienst Grooveshark ist nicht mehr aus Deutschland erreichbar. Auf der Seite des Anbieters heißt es dazu: "Aufgrund unverhältnismäßig hoher Betriebskosten stellt Grooveshark den Zugriff aus Deutschland ein." Weiterhin wird die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA als Verursacher der hohen Kosten bezeichnet: "Wenn Sie die Betriebskosten für Anbieter wie Grooveshark herabsetzen wollen, können Sie eine höfliche Nachricht an die GEMA zu schicken." Dazu wird sowohl die allgemeine E-Mail-Adresse als auch die Adresse und Telefonnummer des Berliner Büros der GEMA angegeben.
Nutzer werden dazu aufgefordert, auf den deutschen Streaming-Anbieter simfy zurückzugreifen. simfy gab dazu heute in einer Pressemeldung bekannt, dass man dafür mit dem Grooveshark-Betreiber "Escape Media Group" eine Partnerschaft eingegangen sei. Das Ziel der Vereinbarung sei, "deutschen Musikfans weiterhin einen Streaming-Zugang zu den Songs und Künstlern zu geben, die sie lieben", so die Pressemitteilung weiter.
Deutsche Nutzer werden über diesen Schritt wenig erfreut sein, da es große Unterschiede zwischen simfy und Grooveshark gibt. So hat der deutsche Anbieter erst im November 2012 seinen kostenlosen Zugang "simfy Free" deutlich eingeschränkt: Nicht zahlende Nutzer können nur 5 Stunden Musik pro Monat hören. Wer mehr will, muss das Angebot "simfy Premium" ab 4,99 EUR pro Monat nutzen.
Ob wirklich GEMA-Forderungen Grooveshark zur Schließung in Deutschland bewogen, ist nicht vollkommen klar. Die GEMA hat bisher noch keine Stellungnahme abgegeben. Auch Grooveshark selbst hat sich bisher nicht ausführlich zu Wort gemeldet.
Erst im Dezember 2011 veröffentlichte die GEMA einen neuen Tarif für sogenannte Streaming- oder Music-on-Demand-Dienste. Weiterhin gab man damals bekannt, dass man sich "derzeit bereits mit vielen Online-Anbietern in Verhandlung über Einzelvertragsabschlüsse befindet. Mit ersten positiven Ergebnissen wird ab Januar 2012 gerechnet."
UPDATE: In einer kurzen Pressemitteilung widerspricht die GEMA den Anschuldigen: "Der Anbieter Grooveshark hat seinen Dienst in Deutschland - entgegen seiner Angaben - nicht wegen unverhältnismäßig hoher Betriebskosten eingestellt. Vielmehr weigert sich Grooveshark grundsätzlich, den von ihm betriebenen Dienst überhaupt in irgendeiner Form zu vergüten."
Die Verwertungsgesellschaft spielt damit auf die Tatsache an, dass sich Grooveshark weder mit ihr, noch den Labels auf Lizenzahlungen geeinigt hat. Die Betreiberfirma wird daher auch von allen Majors wegen Urheberrechtsverletzungen in den USA verklagt. Grooveshark konnte sich zuvor nur mit EMI auf Lizenzahlungen einigen. EMI verklagte Grooveshark aber ebenfalls vor wenigen Tagen, nachdem die im Vertrag versprochenen Tantiemen nicht bezahlt worden waren.
Die GEMA dazu weiter: "Anlass der Schließung des Dienstes in Deutschland ist damit nicht, wie durch den Infotext auf der Website von Grooveshark fälschlicher Weise suggeriert wird, eine Uneinigkeit über die Vergütungshöhe, sondern die generelle Tatsache, dass Grooveshark Urheber und andere Rechteinhaber an seinen Umsätzen beteiligen muss."