Bio/Info
Wenn Polis spielen, öffnet sich das Tor in diese andere Dimension, in der Hoffnung und Liebe herrschen. Psychodelisch und ekstatisch ist es dort. Irgendwo zwischen "Als ich wie ein Vogel war", "How The Gypsy was Born" und "Black Hole Sun" befindet sich der Polis-Kosmos.
Im Sommer 2011 brachte die Band ihr Debütalbum EINS an den Start. Ein Schweiß-und-Tränen-Werk, das Polis live im Studio eingespielt hatte. Das Ergebnis ist ein rohes und ungeschminktes Werk, das die Band mit all ihrer Musikalität, Dynamik und Energie zeigt. Die fünf Krautrocker versuchen auf EINS eine Seelenschau tief in sich hinein und vielleicht auf unsere Zeit: http://youtu.be...wgoXSty5XHk
Neben der Faszination für brachiale Bühnenlautstärken, altes, schweres Equipment und 15-minütige Lieder geht es natürlich (...) Mehr anzeigenum mehr:
Polis sind unermüdliche, musikalische Weltverbesserer und verstehen sich als politische Band. Der Glaube ist ungebrochen an ein friedvolles Miteinander zwischen Menschen, an Respekt vor einer bedrohten Natur und daran, dass das Leben trotz allem wunderschön ist.
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Bandmitglieder
Diskographie
Interview
Wann und wie habt ihr angefangen gemeinsam zu musizieren?
Das war Ende 2009. Es hat sich angefühlt, als wäre es uns immer bestimmt gewesen, zusammen Musik zu machen. Bereits nach zehn Minuten war der erste Song geschrieben. Diese erste gemeinsame Session war von einer absolut schönen Aura umgeben.
Den ersten Gig hatten wir dann am 4. September 2010.
Wir wollten eine Flagge hissen. Wir mussten diese Band einfach für uns selbst gründen. Polis ist etwas Radikales in uns, das wir zurückhalten mussten, bis diese Band entstand. Und wir waren uns alle einig, dass wir als Polis nach oben wollen. Hier haben sich fünf Musiker getroffen, deren große Liebe diese Band ist.
Öl ins Feuer unserer Zusammenarbeit war natürlich auch unsere gemeinsame Vorliebe für Equipment, das alt, analog und sauschwer ist.
Was ist das Besondere / Eigene an eurer Musik?
Wir glauben immer noch, dass es eine bessere, gewaltfreie, respektvolle Welt geben kann. Dafür treten wir mit unserer Musik ein. Uns berühren uns inspirieren die Vorgänge in der Welt sehr.
Für uns ist Musik keine billige Ramschware. Für uns ist jeder Ton ein Gebet. Spielwut heißt unser Stichwort.
Unsere Musik will eine lange Beziehung mit dem Zuhörer eingehen. Kein One-Night-Stand. Sie funktioniert nicht mal schnell nebenher. Zuhören und von ihr aufsaugen lassen.
Wir möchten unseren Hörern gern mehr zutrauen als Klischees. Das gefällt natürlich nicht jedem. Wir haben auch kein Problem damit anzuecken und zu polarisieren. Es ist schlicht normal, dass uns einige Leute scheiße finden. Schließlich machen wir das, was wir tun, mit äußerster Entschiedenheit. Wir sind keine Freunde von Anbiederungskonsensen, um möglichst vielen Leuten zu gefallen. Der Markt mit Anbiederungsmusik ist sowieso rappelvoll und vor allem langweilig. Und umso mehr Leute uns scheiße finden, umso größer und entschiedener wird die Schar unserer Befürworter.
Deswegen möchte ich an dieser Stelle auch alle grüßen, die uns scheiße finden. Ihr seid ein wichtiger Teil von uns.
Sollte uns doch mal der Sprung nach oben vergönnt sein, versprechen wir eine skandalträchtige Band zu sein. Wir sagen laut und deutlich, wenn wir was scheiße finden und nehmen auch kein Blatt vor den Mund. Die restlichen Skandalpotentiale lasse ich jetzt einfach mal im Dunkeln.
Außerdem sammeln wir zum Leidwesen unserer Geldbeutel altes, obskures Instrumentarium, das wir natürlich auch live einsetzen: eine Hammond A-102 (baugleich B-3), ein alter London City, der mal zur Ton Steine Scherben Backline gehörte, alte DDR-Verstärker und -Gitarren, Bandechos, alte Effekte uvm. Jedes Teil davon hat eine Geschichte zu erzählen. Wir lieben diesen Schrott und er ist einer der Gründe, warum unser Sound unkopierbar ist.
Und ich kenne auch keine Band, die ohne eigenen Backliner freiwillig so viel Material zu den Auftritten bewegt. Wir schleppen gern.
Welche Liveclubs könnt ihr aus Musikersicht empfehlen? Warum?
Alles was östlich von Deutschland liegt, ist wirklich sehr bespielenswert. Die Atmosphäre in diesen Ländern, die bei Livemusik herrscht, ist wirklich unvergleichlich. Das durften wir schon in Polen, Rumänien und Russland erfahren.
In Südwest-Sachsen ist die Anzahl der wirklich gelungenen Adressen für Liebhaber von handgemachter Livemusik leider am Schrumpfen. Eine davon ist noch die Alte Brauerei in Annaberg-Buchholz. Wie ich finde, das beste Booking weit und breit. Dort fühlt man sich als Musiker echt wohl.
Wo würdet ihr nie wieder auftreten? Warum?
Im Bierzelt. Wir kriegen Beklemmungen, wenn wir eines betreten. Dort ist die Akustik mies, schon bei geringen Lautstärken klingelt einem alles um die Ohren und das Publikum ist viel zu schnell besoffen. Dort geht es auch gar nicht um Musik. Das Bierzelt symbolisiert alles, was wir an Musik scheiße finden. Kultur-Discount. Wir hassen Bierzelte.
Wer ist euer prominentester Fan?
Es ist schick, uns heimlich toll zu finden.
Auf welchen Fan wärt ihr so richtig stolz? Warum?
Wir freuen uns über Genießer. Uns macht es einfach stolz, wenn unsere Musik genossen wird. Neben gutem Essen und gutem Wein, angenehmen Menschen und schönen Frauen oder Männern (je nach Vorliebe) wollen wir halt musikalisches Genussmittel sein, das anregend für die Sinne und für das Wohlbefinden ist.
Was sind eure Lieblingsbands?
Wir hören eigentlich fast jeden Mist von traditionell bis experimentell, von sinnlich bis verkopft und von ultrasoft bis monsterhart. Was unsere Lieblingsbands betrifft, sind wir eher Vagabunden: Wir ziehen von der einen zur nächsten.
Welche Alben betrachtet ihr als legendär?
Ich will mal ein paar Alben nennen, die sich noch nicht millionenfach verkauft haben.
Absolut legendär: die polnische Band Ossian und ihr Album "Księga Chmur" von 1979. Was da passiert, kann man mit Worten gar nicht beschreiben.
Als Rockmusik-Liebhaber aus Deutschland sollte man auch unbedingt die ein oder andere Scheibe von Colour Haze oder Space Debris im Plattenschrank haben. Von den Ersteren definitv das Album "Tempel", von Letzteren "Elephant Moon". Das ist schon verdammt legendär, was da passiert.
Welche Alben sehen nie das Innenleben eures CD-Players?
Man soll niemals nie sagen. Allerdings gibt 's die rote Karte, wenn jemand versucht, eine Revolverheld-Scheibe einzulegen.
Weil ich niedrigen Blutdruck habe, höre ich mir auch ab und zu mal was aus den Charts an, um mich drüber aufzuregen.
Seid ihr ganz zufrieden mit eurem aktuellen Songmaterial? Arbeitet ihr an neuem? Was wird anders?
Es geht immer noch intensiver. Das ist eigentlich unser einziges Interesse: noch intensiver.
Wir arbeiten sehr unterbewusst, gehen Bauchgefühlen nach oder momentanen Stimmungen. Wie ein Vehikel benutzen wir die Musik für eine Reise in das Unbewusste. Das ist ein spannender Prozess, der aber oft viel Ausdauer und Energie kostet. Man schmeißt viel weg, schreibt neu und schmeißt wieder weg, bis am Schluss etwas steht, mit dem wir alle zufrieden sind.
Wenn wir Musik schreiben, setzen wir uns bewusst oder unbewusst immer mit uns selbst auseinander. Wir wollen uns und unserer Zeit ein Seelenspiegel sein. Mit all den Fragen, Ängsten und Sorgen, aber auch unseren Hoffnungen. Diese Musik mit dieser Band zu schreiben und zu spielen ist Selbsterfahrung.
Wie würde der Titel eurer Bandbiografie lauten?
"Lautstärke ist eine Lebenseinstellung"
Mit welchen Bands würdet ihr euch am ehesten in eine Schublade stecken lassen?
Es gibt einigel stilistische Verwandschaft zum Krautrock der 70er Jahre. Freunden dieses Genres muss man jetzt sicherlich nicht weiter erläutern warum. Für alle anderen gibt es Wikipedia.
Aber wir fühlen uns auch als Erben des Ostrocks. Leider genießt der Ostrock einen denkbar schlechten Ruf. Dass in der DDR Rockbands echt große Musik gemacht haben, geht in diesem ganzen Ostalgie-Getöse unter. Und eines hatten die Ossis den Bands aus dem Westen definitiv voraus: Sie hatten verdammt viel zu sagen. Wer das nicht glaubt, der höre sich bitte mal "Nach der Schlacht", "Als ich wie ein Vogel war" von Renft, "Die Tagesreise" von Lift, "Der Kampf um den Südpol" von Stern Meißen oder "Tritt ein in den Dom" von Electra an.
Verbunden fühlen wir uns auch mit dem rebellischen Fickt-Euch-Grunge der späten 80er und 90er. Ähnlich wie die Musik damals eine Schnauze-gestrichen-voll-Reaktion auf den berechenbaren Wohnzimmer-Metal-Pop der 80er war, verstehen wir uns als Gegenentwurf zu all dem Schlager-Disko-Indie-Blödsinn mit pseudo-pseudopoetischen Geschwafel-Texten. Nicht mal als pickelige Teenager, die mit verstimmter Gitarre Powerchords schrammeln, haben wir auch nur im entferntesten so einen Hafer geschrieben. Und jetzt ist so was in den Charts. Unglaublich!
Mit welchen Bands würdet ihr euch auf keinen Fall vergleichen?
Ich meine, wir geben unser ganzes Geld für gutes Equipment aus. Wir ringen wirklich um jedes Quäntchen Sound. Wir geben unser Äußerstes, jeden einzelnen Song wirklich besonders zu machen. Jeden einzelnen Akkord, jede einzelne Note drehen und wenden wir, wenn nötig. Es geistert in unseren Herzen und Köpfen den ganzen Tag nichts weiter als das Verlangen wirkliche gute Musik zu machen, die Menschen erreicht und berührt. Ob uns das gelingt, müssen Andere beurteilen. Aber wir versuchen es wenigstens. Rockmusik bedeutet für uns Risiko, bedeutet anzuecken, zu polarisieren. Es bedeutet manchmal ganz hart auf die Fresse zu fliegen und sich mühsam wieder aufzurappeln.
Dem entgegen steht aber eine derartige Menge an Bands, die oft sogar viel handwerkliches Talent an den Tag legen. Die diese Gabe aber nur dazu mißbrauchen, irgendeine allgemeine Sülze zu spielen. Vollkommen ohne den Willen, etwas Größeres zu erschaffen. Nur davon getrieben, nirgends anzuecken, um möglichst viel Erfolg zu haben. Musiker, die immer den einfachen Weg gehen wollen.
Wie Leute so etwas tun können, wird uns auf ewig ein Rätsel bleiben und löst bei uns nur blankes Unverständnis aus. Diese Bands sind das diametrale Gegenteil von uns.
Und in Deutschland gibt es gerade in der populären Musik viel, zu viele solche Dünnbrettbohrer. Deswegen ist unser Land in weiten Teilen popmusikalisches Entwicklungsland. Und dass sich unsere Musik schlecht exportiert, liegt nicht an der deutschen Sprache, sondern daran, dass Trends immer von Musikern und Labels aus anderen Ländern gesetzt werden. Die deutschen Plattenfirmen führen dann verspätet schlechte Kopien ins Rennen. Hier haben einfach zu wenig Leute die Eier, mal was Neues zu probieren und mit Ausdauer ordentlich Geld reinzustecken.
Wo und mit wem würdet ihr am liebsten einmal auftreten?
Bei Rockpalast zusammen mit Cäthe und Selig.
Wo und wann habt ihr euren besten Gig gespielt?
Irgendwie ist der Zauber immer da. Und sobald der erste Ton fällt, sind wir in diese andere Dimension entrückt.
Und nach jedem Gig torkeln wir von der Bühne und brauchen erst mal 10 Minuten, um uns wieder an unsere Namen zu erinnern und wo wir eigentlich sind. Dazu muss ich sagen, dass wir in der Regel relativ nüchtern bei Auftritten sind.
Deshalb spielen die Fragen wo und wann bei uns kaum eine Rolle.
Wo und wann ging alles total schief?
Wir ziehen das Glück magisch an.
Wann würdet ihr sagen "Wir haben es geschafft?"
Schwierige Frage. Wir haben auf jeden Fall zum Ziel nach oben zu kommen und unsere Brötchen mit unserer Musik zu verdienen. Daran gibt es innerhalb der Band überhaupt keinen Zweifel.
Aber was uns wirklich antreibt, ist die Vorstellung, den Leuten vielleicht etwas Gutes mitzugeben. Von der Schönheit des Lebens zu erzählen und von den Sinnkrisen. Vom Fallen und Aufstehen. Unsere Botschaft ist unser wahres Ziel.
Wie ist eure Meinung zu BAckstage PRO? Was müsste eurer Meinung nach die ideale Plattform im Netz bieten?
Sehr gut betreut. Schön ist, dass hier nicht die Großen die Kleinen in den Schatten stellen und alles nach Regionen und Genre sortiert ist. Im Gegensatz zu MySpace wird einem hier kein nerviger Live-Style-Quatsch mit MTV-Anleihen übergestülpt. Auch schön ist, dass sich andere Musiker wirklich ernsthaft die Musik im Player anhören, wie man an unseren Profilkommentaren erlesen kann.
Womit auch schon ein dicker Minuspunkt angesprochen wäre: Wir sind nicht unbedingt der Welt größte Fans der MP3. Im Internet kommt man aber nun mal nicht drumherum. Deswegen wäre es ziemlich gut, wenn der Player auch aufwändigere Formate unterstützen würde, wie z.B. .AAC oder am besten gleich .WAV. Und dann weg mit dem Upload-Limit von 15 MB. Wahrscheinlich betrifft uns das als Band mit 15-minütigen Songs eher als andere. Aber einen 20-Minuten-Song möchte ich hier nicht hochladen, weil schon die 10-minütigen grenzwertig klingen. Und schließlich geht es hier ja um Musik.
Und übrigens: Die ersten Gehversuche im neuen Backstage machen echt Spaß! Sehr fein gemacht, Regioactive! Ein bisschen flotter könnte es manchmal noch sein.
Auf welchen Internetplattformen seid ihr sonst noch vertreten? Welche nutzt ihr bevorzugt und warum?
Facebook ist mittlerweile die wichtigeste Plattform für uns geworden. Ansonsten Youtube und StasiVZ bzw. MeinVZ.
Unseren MySpace-Account pflegen wir kaum noch, weil es ein Geduldsspiel geworden ist.
Web 2.0 nervt.